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TANTE BABO / Musik
Titelbild 14 950x500 Ein Revolverheld im Interview
Bild: Yvonne Bösel / Raum 27
Nachgefragt

Ein Revolverheld im Interview

Sie gehören definitiv zu den erfolgreichsten deutschen Bands und füllen ganze Arenen: die vier Jungs von Revolverheld. Im Radio laufen ihre Songs rauf und runter, jeder kann mitsingen. Mit ihrem fünften Studioalbum aus 2018 „Zimmer mit Blick“ sind sie nach einer exklusiven Clubtour nun auch auf den großen Bühnen Deutschlands unterwegs und machen Mitte März Halt in Bremen. Ein toller Anlass, den Revolverheld-Gitarristen Kristoffer Hünecke (40) aka. „Kris“ mal
etwas auszuquetschen. Also, nachgefragt!

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Quelle: benediktschnermann

TANTE BABO: DU UND JOHANNES STRATE, IHR SEID DIE SONGWRITER DER BAND – WOHER NIMMST DU DEINE INSPIRATION?

Kris: Man muss seine Beobachtungsgabe schärfen. Als Songwriter lernt man, aufmerksam durch seine Umgebung zu gehen und dabei Sachen zu entdecken, die sich poetisch anfühlen/anhören. Du suchst nach Sachen, die eine Message haben.

ICH HABE WIRKLICH, NOCH GANZ OLDSCHOOL EIN BUCH, IN DAS ICH REINSCHREIBE.

Da steht auch viel Nonsens drin, aber auch vieles, woraus Songs entstehen. Mir ist es wichtig, dass die Stimmung der Worte oder Texte zu den Melodien passt und sich in der Musik widerspiegelt. Aber es gibt ganz viele Formen der Inspiration. Alleine die deutsche Sprache ist super spannend. Wenn man offen durch die Welt geht und Lust hat, sich weiterzuentwickeln, gibt’s immer wieder neue Quellen und das ist ja auch das Spannende am Songwriting und das, was die Leidenschaft am Brennen hält.

IN DER JUGEND WARST DU AUF DEM WEG ZUM PROFI-TENNISSPIELER, BIS EINE HANDSGELENKSVERLETZUNG DIESEN TRAUM PLATZEN LIESS. WAS MACHT DAS MIT EINEM?

Damals war es für mich natürlich eine totale Katastrophe. Ich habe meine Jugend mit dem Tennisspielen verbracht und war Nummer eins in Deutschland, habe mit Tommy Haas zusammen für Deutschland gespielt. Und mein Wunsch war es, Tennisprofi zu werden. Durch die Verletzung wurde mir so ein bisschen der Boden unter den Füßen weggerissen. Wenn ich gewusst hätte, was sich daraus für eine Chance ergibt, nämlich Musiker zu werden, wäre es sicher nicht so schlimm gewesen. Meine volle Energie und mein Ehrgeiz flossen nach der Verletzung in die Musik. Und das hat mein Leben verändert. Also, in jeder Lage liegt ’ne Chance.

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WAS HAST DU FÜR DICH AUS DEM TENNIS MITGENOMMEN?

Das Tennisspielen hat mich gelehrt, mit Druck umgehen zu können. Man muss alleine auf dem Platz stehen können und sich bei wichtigen Spielen beweisen. Das hat mir geholfen, mit Situationen wie Lampenfieber umzugehen. Sport ist auch weiterhin noch ein schönes und wichtiges Ventil für mich, um den Kopf freizukriegen. Viele meiner Songideen entstehen tatsächlich beim Joggen. Beim Tennis alleine aufm Platz, jetzt mit drei Band-Kollegen auf der Bühne.

HAND AUFS HERZ: GEHT IHR EUCH MAL GEGENSEITIG AUF DIE NERVEN?

Für mich ist es das größte Glück, dass wir als Band zusammen auf der Bühne stehen und Musik machen können. Ich habe ja auch ’ne Zeit lang Solo-Projekte gemacht, aber ich muss sagen, alleine auf der Bühne zu stehen, ist schon was anderes. Es ist einfach schön, mit Leuten auf der Bühne zu sein, die du seit fast 20 Jahren kennst. Wir sind eine Einheit, der Druck verteilt sich auf allen Schultern. Unser Werdegang hat uns zusammengeschweißt und sehr geprägt. Und das will ich niemals missen.

IHR SEIT 2019 IN DER ÖVB-ARENA IN BREMEN AUFGETRETEN – WAS VERBINDEST DU MIT DER REGION?

Unser Sänger Johannes Strate kommt ja aus Bremen. Ich mag Bremen extrem gerne. Es ist gar nicht so unähnlich zu Hamburg, nur dörflicher und das gefällt mir. Ich bin auch ein Fan von der Bremer Architektur und mag das Viertel besonders. Wir waren eigentlich auch schon in der ganzen Region, also auch in Bremerhaven und Cuxhaven. Gefühlt standen wir schon in jedem Ort im Norden auf der Bühne – und wir sind schließlich alle Kinder des Nordens.

ZUM BEISPIEL HABEN WIR SCHON BEIM DEICHBRAND IN NORDHOLZ GESPIELT.

KRITISCHE GEDANKEN IM TITELSONG EURES AKTUELLEN ALBUMS „ZIMMER MIT BLICK“. WAS IST DIESES ZIMMER?

Das „Zimmer mit Blick“ steht symbolisch für eine Komfortzone, die wir alle hier und da mal verlassen sollten. Wir leben in „außergewöhnlichen“ politischen Zeiten und haben einen extremen Zuwachs bei extrem-populistischen Parteien wie der AFD. Auch in ganz Europa ist der Zuwachs von rechts-außen groß. Und extreme Politiker, die es schaffen, Leute für sich zu begeistern. Trump ist gefährlich und hat eine unmenschliche Art, Politik zu machen. Wir finden, dass auch deutsche Popmusik kritisch und politisch werden darf. Die Message ist: „Hey, verlasst diese Komfortzone mal und zeigt, was nicht richtig ist.“ Es ist gut, in den Dialog zu treten und es ist gut, festzustellen, dass man viele Gleichgesinnte trifft, die auf der richtigen Seite stehen.

MUSIK SCHAFFT ZUSAMMENHALT UND KANN EINEN DAZU BEWEGEN, ETWAS ZU TUN, AUCH MAL LAUT ZU WERDEN.

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Quelle: benediktschnermann

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