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TANTE BABO / Musik
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Nachgefragt

Die Orsons – Orsons Island | Einmal Grille, immer Grille

Ganze zwei Jahre waren Tua, Kaas, Maeckes und Bartek auf unterschiedlichsten Inseln unterwegs. Dabei ist Orsons Island entstanden. Unter anderem auch die erste Single-Auskopplung „Grille“. Der Song flasht nicht nur musikalisch, sondern auch visuell. Denn im Musikvideo dominiert ganz klar die Farbe Pink. Pink, pink, pink – wohin das Auge reicht! Doch beinahe wäre es gar nicht zum neuen Album gekommen. Die Band stand kurz vor ihrem Aus. TANTE BABO hat mal für euch nachgefragt, wieso sich Tua, Kaas, Maeckes und Bartek doch nochmal zusammengerauft haben und es das neue Album eben doch gibt.

TANTE BABO: Ihr wart kurz davor, euch nach mehr als zehn Jahren zu trennen. Wie kam es dazu?

TUA: Wir wollten uns trennen, dann hat mir Kaas erklärt, wie man produziert und geile Musik macht.

BARTEK: Trennung ist eigentlich schon eine feste Säule unseres Band-Bestandes. Von Tag eins an wollten wir uns eigentlich trennen. Es wird auch immer ein Teil bleiben, das heißt, wir trennen uns nie, auch wenn wir uns trennen, bleiben wir immer zusammen. Wir sind wie Europa.

Wie kommt man dann plötzlich dazu, wieder ein gemeinsames Album aufzunehmen? 

MAECKES: Es war von Anfang an nur als kurzes Projekt geplant, deswegen auch immer diese Trennung, vielleicht. Weil wir uns von Album zu Album dazu entschlossen haben, uns zu trennen und nach jedem Album uns wieder dachten, das ist vielleicht das Letzte. Und so ist es eben passiert. Wir haben uns beim letzten Album gedacht, wir machen nie wieder eins. Und vor diesem Album hatten wir die einmalige Möglichkeit auf eine Insel zu gehen. Die Plattenfirma hat sogar gezahlt, weil die dachten, wir machen vielleicht ein Album. Wobei wir dachten, dass wir einfach nur unseren ersten gemeinsamen Urlaub als Freunde machen – das war der Grundstein für das neue Album.

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Auf eurem neuen Album Orsons Island, was am 2. August 2019 erschienen ist, erzählt ihr von der großen Suche nach eurem inneren Sehnsuchtsort. Was ist das für euch? Und habt ihr ihn gefunden?

BARTEK: Dazu muss man sich das Album einfach anhören.

KAAS: Einen Sehnsuchtsort habe ich für mich immer so verstanden als eine Art Selbstfindung. Während des Albumprozesses habe ich gefühlt mich selbstgefunden, indem ich entdeckt habe, auf therapeutischem Wege, dass ich introvertiert bin und das selbst nie so wirklich wahrgenommen habe. Es war mir nie bewusst! Das war für mich so ein bisschen die Selbstfindung. Und die Erleichterung, nicht mehr einem Bild entsprechen zu müssen, das ich nicht bin. Sondern ich konnte mich selbst annehmen als schüchterner Mensch, der nicht immer was sagen muss. Sondern der sich auch mal zurücknehmen und zu einer kleinen Insel werden kann. Das ist total okay. Das war für mich zum Beispiel meine große Entdeckung auf der Reise nach Orsons Island.

Die erste veröffentlichte Single eures neuen Albums heißt Grille – dabei erzählt ihr von einer Microparty. Was ist das überhaupt?

KAAS: Auf Tour sind wir irgendwie darauf gekommen, weil wir oft früh losfahren müssen. Wir können nicht immer feiern, wenn wir lange Strecken fahren müssen. Manchmal hat man nur ne Stunde Zeit, nachdem man geduscht und fertig gemacht ist. Da ist dann Maeckes irgendwann auf die Idee gekommen: „Ey, komm‘ wir gehen mal kurz zehn Minuten Party machen“. Wir sind dann kurz in den Club reingestepped und haben alles mitgenommen, was ging, haben Kurze getrunken, haben Dance-Battles gehabt, dies das. Wir sind dann rausgeflogen aus dem Club und sind in die nächste Stadt gezogen. Das hat so viel Spaß gemacht, dass wir das kultiviert haben und nun oft tun. Und daraus hat sich letztlich der Song entwickelt.

Was für eine Message hat euer zweiter veröffentlichter Song Dear Mozart? 

TUA: Also, bei Dear Mozart geht es darum, dass wir sowas in der Art machen wollten wie eine Bestandsaufnahme vom deutschen Rap. Sowie eine Einordnung von uns selbst. Die Idee war, dass man sagt, okay, deutscher Rap ist so erfolgreich und so umstritten wie vielleicht noch nie zuvor, was ist denn eigentlich eine Einigungsgröße. Worauf können sich alle einigen, dass es kein Whacker-Scheiß war. Dann haben wir gesagt, lass uns doch mal Mozart heranziehen, sozusagen. Das würde wahrscheinlich jeder unterschreiben, dass das eine gewisse Qualität hatte. Und wenn man dem einen Brief schreibt und sagt, schau mal, so sieht es gerade aus, wie findest du das denn, dann ist das ein guter Kniff, um einfach die Sache darzustellen. Wir haben halt keine absolut einheitliche Meinung in der Band. Und wir finden auch sonst selten alle eine einheitliche Meinung dazu. Und fanden es deshalb so gut, es so darzustellen. Als das was es ist, ohne dabei zu krass dafür oder dagegen zu sein. 

Ihr seid ja ständig auf den großen Festival-Bühnen unterwegs. Neulich erst beim Hurricane in Scheeßel. Wie fühlt sich das an vor so vielen Menschen zu spielen?

BARTEK: Bestes Gefühl. Dafür macht man es am allerliebsten. Es gibt nichts Schöneres, als ein direktes Feedback in den Gesichtern der Leute zu sehen. Und wenn es dann auch noch passiert, dass die Leute mitsingen oder mitrappen, da geht mir richtig das Herz auf.

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Bild: Die Orsons

Ab Oktober 2019 seid ihr auf Tour. Unter anderem am 16.10.19 in Bremen. Das ist die Gelegenheit eine Portion Glück abzuholen bei den Bremer Stadtmusikanten – oder habt ihr schon mal die Hufe vom Esel gerieben? Überhaupt: Wie findet ihr unsere Region? Wie ist das Publikum?

BARTEK: Noch nie habe ich von diesem Brauch gehört. Muss man das machen? Ich habe die Figur einmal kurz gesehen, als ich an ihr vorbeigelaufen bin. Okay, wir widmen dem mehr Zeit und werden das tun! Wir reiben am Huf‘ und holen uns eine Portion Glück ab! 

TUA: Reiben am Huf‘ könnte auch der neue Titel vom nächsten Album werden. Aufschreiben bitte! – Reiben am Huf.

Ihr habt ja fleißig gevloggt für euren YouTube Channel, als ihr auf eurem ersten gemeinsamen Urlaubstrip wart. Wo seid ihr überall hingereist? Hat es euch mehr zusammengeschweißt oder seid ihr euch eher auf die Nerven gegangen? 

TUA: Alles, was du gesagt hast, ja! Wir haben diverse Reisen auf verschiedene Inseln unternommen. Dabei ist aber eigentlich die tatsächliche Insel gar nicht so wichtig, sondern die wichtigste Aussage, die getroffen wurde und werden sollte von uns ist, dass dieser Ort ein metaphysischer Ort ist. Orsons Island ist das, was wir erreichen wollten, seien es örtliche Reisen, seien es persönlichkeitsentwickelnde Reisen oder auch freundschaftliche Reisen.

Was ist das Krasseste, was während eures ersten gemeinsamen Urlaubs passiert ist?

MAECKES: Mir ist eines Nachts die Gitarre explodiert. Irgendwie hat es den Steg rausgerissen, ich weiß immer noch nicht wie es passiert ist. Ich glaube immer noch, einer der anderen Bandmitglieder ist betrunken über meine Gitarre gestolpert und dann ist sie kaputt gegangen. Es hat sich aber nie aufgelöst. Auf jeden Fall haben wir am Tag davor ein Lied auf der Gitarre geschrieben und das Schicksal hat über Nacht die Gitarre explodieren lassen. Das ist eine Geschichte von der Insel.

KAAS: Ich habe mich ausversehen in einen Mann verliebt. Das ist das Krasseste, was mir passiert ist.

TUA: Ich habe eines Morgens, drei Freunde von mir, deren Namen ich nicht weiter nennen will, aus dem Bett gezogen, weil sie mich am Vorabend dazu angewiesen haben, sie zum Karneval, zum rassigsten Karneval von La Palma zu fahren. Bei dem es der Brauch ist, White- Facing zu betreiben. Es gibt so den Brauch auf der Insel La Palma, wo sich die Insulaner mit weißem Pulver anmalen, um sich einer schwarzen Statue am Meer zu offenbaren. Und drei Freunde von mir, deren Namen ich immer noch nicht näher nennen will, haben sich morgens um 9 Uhr die ersten 18 Bier reingezimmert. Ich bin solange irgendwo anders hingefahren, weil ich keinen Alkohol trinken wollte und habe sie dann um 16 Uhr abgeholt – sie waren Einzelteile! Ich habe sie dann in den Wagen reingekehrt, teilweise mit nem Lappen, teilweise mit nem Besen, ich hatte Handschuhe an, es war aber trotzdem immer noch sehr, sehr ekelhaft. Dann habe ich sie zurückgefahren, abgeladen und dann war der Tag gelaufen.

BARTEK: Uns ist also nichts Krasses passiert. Obwohl – ich habe aufgehört zu rauchen! Ich habe sieben Jahre geraucht. Zu meiner eigenen Dummheit habe ich erst mit 27 Jahren angefangen und nach sieben Jahren aufgehört. Es waren die sieben mageren Jahre.

In dem Song Dear Mozart kommt die Frage auf: Wie findest du Rap? Wie findet ihr denn Rap? Abgesehen von „Ich finde perfekt“?

BARTEK: Ich find‘s okay.

MAECKES: Irgendwie mag ich Rap, egal in welcher Ära. Ich finde die Wiederholung aber auch immer kacke, egal in welcher Ära. Irgendwie gefällt mir Rap immer noch sehr, sehr gut. Aber wenn es zu oft wiederholt wird, finde ich es kacke. Bei dem Song soll es ja einige Diskussionen um eine bestimmte Song-Version gegeben
haben. Was ist da genau vorgefallen?

KAAS: Ich hatte Nasenbluten, weil ich ganz stark für eine Version gekämpft habe. Die meiner Meinung nach ein bisschen hittiger gewesen wäre, ein bisschen leichter verdaubar. Ich habedann meine Stranger-Things-Power ausprobiert. Leider habe ich nichts an der Matrix ändern können, habe aber Nasenbluten bekommen, deswegen gibt es jetzt diese Version. Aber letztendlich bin ich sehr zufrieden damit, sehr, sehr zufrieden!

In dem Song Dear Mozart besitzt einen unverwechselbaren Stil in der Art, wie ihr Musik macht. Denkt ihr manchmal darüber nach, mehr Wert auf Autotune zu setzen, um mit dem aktuellen Rap Trend zu gehen?

TUA: Autotune benutzen wir ja schon seit 1922, so wie alle anderen auch. Auf dem Album spielt es natürlich auch eine Rolle. Und ich würde sagen, es hat nichts damit zu tun, dass wir neinem Trend folgen wollen. Sondern, dass es ein momentan nicht wegdenkbares Element ist, irgendwie. Mit dem wir irgendwie genauso spielen wie vielleicht jemand in den 60er mit der E-Gitarre gespielt hat. Jetzt ist es gerade sehr omnipräsent. Aber wie wir ja schon bei Mozart sagten, wir sind jetzt weder glühende Verfechter noch glühende Gegner davon.

KAAS: Wir haben den aktuellen Zeitgeist eigentlich immer auf unsere Art in die Musik einfließen lassen. Aber immer nur so nach unseren Regeln, das haben wir auch mit anderen Trends gemacht, die davor waren. Und so werden wir es auch mit anderen Trends machen, die noch kommen.

Wollt ihr noch was sagen?

KAAS: Unser Album kam am 2. August 2019 raus! Unsere Tour ist im Oktober 2019!


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