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TANTE BABO / Auf Achse
Shiva Aufmacher 950x500 Aus dem Rock Center wird SHIVA Bremerhaven
©studio23/Cristobal Bullwinkel
Die lauteste Katze der Stadt

Aus dem Rock Center wird SHIVA Bremerhaven 

Ey Party People! Ihr geht gerne auf Konzerte und habt Bock auf fette Livemusik? Dann war bisher das Rock Center in Bremerhaven bestimmt immer der Place to be für euch. Ab sofort heißt es allerdings SHIVA Bremerhaven. Und ihr werdet nicht drumherum kommen. Denn jetzt ist es noch mehr ein Ort für Kultur der besonderen Art. Wir haben deshalb mal bei Kevin Ricke nachgehakt, was uns denn jetzt genau erwarten wird. So viel steht fest: Mit sehr viel Liebe zur Musik und unerschütterlichem Engagement, sorgt Kevin seit vielen Jahren für frischen Wind in der Veranstaltungsszene in Bremerhaven. Auch die TANTE hat schon viele geile Abende unter seinem Dach gefeiert. Was jetzt geht? Hier gibt´s exklusiv das Interview.

Warum wurde es Zeit, das Rock Center ins SHIVA Bremerhaven zu verwandeln? 

Kevin: Das hat mehrere Gründe. Zum einen habe ich mich von meinem Geschäftspartner getrennt. Da gab es seit langem Streit und ich wollte mit dem Thema „Rock Center“ einfach abschließen. Und zum anderen gings um den Rock-Cyclus. Den gibt´s schon seit 40 Jahren in Bremerhaven und es gab immer wieder Verwechslungen. Da standen dann Leute vor unserer Tür und das Konzert fand aber bei denen statt. Und sogar ich bin ab und zu mal durcheinandergekommen. Außerdem machen wir ja nicht nur Rock. Wir haben verschiedenste Veranstaltungen hier. Am 6. Mai 2022 zum Beispiel haben wir ein Hip-Hop-Konzert.

Ajax loader Aus dem Rock Center wird SHIVA Bremerhaven

Was hat sich im Vergleich zum Rock Center verändert? 

Im Prinzip nur der Veranstaltungssaal und die Leitung. Ich bin jetzt allein verantwortlich für die Proberäume und allem, was sonst noch dazugehört. Die Musikanlage ist besser und macht richtig Spaß: Damit sind wir die lauteste Katze der Stadt! Und wir haben eine neue Lüftungsanlage. 

Was können wir von SHIVA erwarten, worauf können wir uns freuen? 

Auf jeden Fall auf neue Veranstaltungen, den größeren Saal und ein Biergarten soll noch im Innenhof entstehen. Da überlegen wir auch, den im Winter offen zu lassen – dann gibt´s leckeres Glühbier und die eine oder andere Winterparty. Das plane ich schon länger. Aber auch da gab´s immer wieder Probleme mit meinem ehemaligen Geschäftspartner. Umso schöner ist es, dass ich das jetzt alles machen kann. 

Wie war die Reaktion/Unterstützung der Stadt?

Die war super! Ich hab tolle Unterstützung von der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung bekommen. Ich hatte Hilfe beim Konzeptschreiben und allem was noch dazugehört. Mit der Stadt verstehe ich mich super. Liegt aber vermutlich auch daran, dass ich seit Januar im Kulturamt arbeite. Dort betreue ich unter anderem die Technik. Wir arbeiten also quasi auf mehreren Ebenen zusammen. Das Kulturamt will künftig auch die Räume hier nutzen und Veranstaltungen bei uns machen. Von der Stadt habe ich aber auch vorher noch nie Steine in den Weg gelegt bekommen – wir sind eher noch mehr zusammengewachsen. Das ist natürlich nicht selbstverständlich. Aber uns gibt´s mittlerweile seit zwölf Jahren. Wir haben uns das Standing also erarbeitet. Als wir damals mit langen Haaren und zerrissenen Klamotten da aufgetaucht sind, haben die uns schon etwas belächelt. Aber mit den Jahren hat die Stadt uns schon schätzen gelernt. 

Wie ist die Situation mit den Anwohnern? 

Wir haben ja einmal im Jahr das tüdelüt Festival draußen und dafür eine Sondergenehmigung. Und wir gehen dann von Tür zu Tür und laden alle Nachbarn ein, dass die mit uns feiern können. Das ist uns auch total wichtig, dass wir hier friedlich nebeneinander wohnen. Unsere Mieter sind angehalten, dass die Fenster bei Proben oder Veranstaltungen geschlossen bleiben. Wenn das mal nicht so ist, kann das auch mal zur fristlosen Kündigung führen – das geht halt nicht anders. Aber so weit ist es noch nie gekommen. Wir haben uns die letzten zwölf Jahre hier so gut integriert. Die Goethe45 ist zum Beispiel dadurch entstanden, dass wir hier sind. Und wir kennen uns alle. Wir sind einer der Vorreiter des Goethe-Quartiers. Und das ist, glaub ich, das schönste Kompliment überhaupt! 

Förderanträge… da gibt´s doch wirklich schönere Dinge. Wie hat das funktioniert und welche Stolpersteine gab es? 

Da hatte ich das große Glück, dass mich das Kulturamt total super unterstützt hat. Die sind quasi dafür verantwortlich, dass wir hier überhaupt umbauen konnten und auch das letzte Festival veranstalten konnten. Für mich ist dieser ganze Papierkram ja überhaupt nichts. Ich bin absolut kein Büromensch und hätte das ohne die Unterstützung vom Kulturamt niemals gewagt und geschafft. Ich hab hier noch nie irgendwelche Fördergelder oder sowas bekommen. Wollte es aber auf jeden Fall mal versuchen. Und dann gab´s auch noch die Zusage. Das war so geil! 

SHIVA Bremerhaven und Kulturbahnhof Lehe – wie gehört das zusammen? 

Der ganze Gebäudekomplex ist der Kulturbahnhof Lehe. Der Club, in dem die Veranstaltungen stattfinden, heißt SHIVA. Dazu gehören dann noch die 27 Proberäume, zwei Musikstudios von Künstlern, die Kletterhalle und das Zapp. Den Saal wird es allerdings nur noch bis Januar geben. Danach geht der Raum auch an den Boulderclub Bremerhaven. Die brauchen einfach mehr Platz. 

Der Kulturbahnhof ist ein Non-Profit Unternehmen. Wie funktioniert es, dass du davon leben kannst? 

Also ich habe ja noch den Job im Kulturamt. Eine kleine Gage zahle ich mir hier schon aus. Aber mein Ziel war nie, reich damit zu werden. Solange die Unkosten gedeckt sind, bin ich glücklich. Und alles andere stecke ich direkt wieder in den Laden. Der Spagat zwischen beiden Jobs ist nicht immer ganz einfach, aber Bands organisieren kann ich auch abends von zu Hause aus. So richtig Feierabend hat man als Selbstständiger eben nie. Ich schau schon, dass ich auch mal Pausen habe. Aber: Mir macht es einfach Spaß das SHIVA mit Leben zu füllen. 

Deine Leidenschaft ist ja eindeutig die Musik. Wie lässt sich das mit deinen eigenen Musikprojekten kombinieren? 

Wir haben ja zum einen Love Buzz, die Nirvana-Coverband. Die ist seit Corona leider etwas eingeschlafen. Wir mussten zu Beginn der Pandemie 36 Gigs absagen. Wir spielen hier maximal zwei Konzerte im Jahr und machen mit einer Pearl Jam-Coverband einen Grunge-Abend. Während dieser Zeit ist dann ein neues Musikprojekt entstanden: Brathering. Das ist auf dem Mist von meinem Bruder gewachsen. Er wollte unbedingt eigene Sachen machen. Ich war erst nicht so überzeugt – vor allem aus Zeitgründen. Aber plötzlich hatte ich während der Corona-Zeit wieder Kapazitäten. Und dann standen wir auch schon im Studio. 

Und wie bist du überhaupt zu diesem Projekt gekommen? Wacht man morgens auf und denkt „Heute will ich einen neuen Veranstaltungsort in Bremerhaven erschaffen“? 

Ne, das war damals ein großer Zufall. Lange bevor es SHIVA Bremerhaven gab,  gehörte das Gebäude einem Immobilienhai, der sich um nichts gekümmert hat. Der hat auch nie die Nebenkosten bezahlt. Wir hatten hier früher schon unseren Proberaum. Und irgendwann im Winter ging dann die Heizung nicht mehr, der Strom wurde abgestellt und alle unsere Instrumente waren im Eimer. Ich hab dann durch Zufall bei einem Banktermin erfahren, dass das Gebäude in der Zwangsversteigerung ist. Das hab ich meiner Band erzählt. Wir haben uns dann einen Kasten Bier geschnappt und gesagt, dass wir das versuchen wollen. Letztendlich wollten wir eigentlich nur unseren Proberaum retten… Fürs Proben war dann allerdings zehn Jahre erstmal keine Zeit mehr. Zuerst mussten wir viel Arbeit und Liebe in das Gebäude investieren. Wir haben hier unter anderem über sieben Tonnen Müll rausgeholt. Und das alles mit Freunden, Familie und vielen Freiwilligen, die das Projekt einfach geil fanden. Wir hatten auch so oft einfach Riesenglück mit Materialien und allem anderen – das fühlte sich manchmal so an, als ob das alles einfach genau so kommen musste: ein bisschen wie Schicksal. Im SHIVA Bremerhaven steckt einfach mein absolutes Herzblut und das von Anfang an! 


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