Das 1992 gegründete Bremerhavenstipendium zählt mittlerweile zu den bedeutendsten und begehrtesten Künstler-Stipendien in Deutschland. Es wird vom Verein für Kunst und Nutzen, der auch für den "Pferdestall" verantwortlich ist, vergeben. Aktueller Stipendiat ist Sebastian Dannenberg. Der Künstler macht bis zu 14 Ausstellungen im Jahr und hat schon einige Auszeichnungen abgesahnt.

Künster, Bremerhaven-Stipendiat Sebastian Dannenberg Bild: Sebastian Dannenberg

Die kopfsteingepflasterte Gartenstraße in Bremerhaven entlang. Tolle Altbauten stehen hier. Irgendwie hat die Straße was von 'nem Künstler-Quartier. Liegt‘s am Interview-Termin? Das Ziel: Das Atelier des Bremer Künstlers Sebastian Dannenberg (38), aktueller Bremerhaven-Stipendiat. Sein Kunstraum ist im Pferdestall. Das Tor dorthin ist verschlossen. Dann halt ab durch die Hecke über ‘ne Parkbeschränkung. Da steht er schon oben auf der Treppe und dann passiert‘s: Die Tür fällt hinter ihm zu – ups! Ausgeschlossen! Gut, dass er jemanden erreicht, der kommt, um uns reinzulassen.

Künster, Bremerhaven-Stipendiat Sebastian Dannenberg Bild: Sebastian Dannenberg

Alles halb so schlimm. Sebastian ist gut drauf. Ein lockerer, sympathischer Typ. Also, fangen wir einfach schon mal mit dem Interview an:

TANTE BABO: Wie gefällt dir Bremerhaven?

  • Sebastian: Eigentlich wohne ich ja in der Nähe von Bremen, in Fischerhude, und pendle auch viel, um meine zehnjährige Tochter zu sehen. Durch das Stipendium habe ich in Bremerhaven eine Wohnung und ich bin auch oft hier um zu arbeiten. Meiner Freundin gefällt‘s auch richtig gut. In der Freizeit gehen wir am Deich spazieren oder in den Lady Tee‘s African Club – ist so die Mega-Location, finde ich.

Dann kommt jemand, der uns ins Atelier lässt: Ein großer, heller, weißer Raum mit Säulen. Hier und dort liegen ein paar Bilder auf dem Boden, aber was mir sofort ins Auge sticht: ein großer, schwarzer Kreis auf einer weißen Wand, eines seiner aktuellen Werke. In der Mitte dieses Kreises hängt ein Nagel, an dem ein Pinsel an einem Seil befestigt ist... Weiter geht‘s:

Beschreib‘ mal Bremerhavens Kunstszene:

  • Bremerhaven ist ein Leuchtturm, was die Kunstszene angeht: Das Kabinett für aktuelle Kunst, der Kunstverein, inklusive Museum, und einer abgefahrenen Sammlung von Kunstwerken der Stipendiaten. Deswegen ist Bremerhaven für junge Künstler auch ein Begriff. Das ist überregional angesiedelt. Es gibt so ein paar Icons, die man auf dem Zettel hat. Ich weiß von dem Bremerhaven-Stipendium seit zehn Jahren.

Wie schafft man es, Künstler zu werden?

  • Das ist ein sehr arbeitsintensiver Prozess. Mit Anfang 20 habe ich Kunst-Pädagogik studiert und gemerkt, dass mir der künstlerische Anspruch nicht reicht. 2006 folgte die erste Förderung. Später habe ich dann Kunst in Karlsruhe studiert: Mit 28 habe ich nochmal alles in die Waagschale geworfen. Ich hatte großartige Lehrer und innerhalb der Hochschule habe ich schon Aufmerksamkeit bekommen. Man braucht natürlich Anerkennung – ohne die geht's nicht. Gleichzeitig ist es aber auch extrem viel Arbeit.

Also wolltest du schon immer Künstler werden?

  • Ja, ich wollte das schon sehr lange. Ich wäre sonst auch gerne Rallye-Fahrer geworden, aber das hat nicht geklappt. Nee, ich male schon sehr lange. Während die anderen in der Kindheit und Jugend viel Zeit auf dem Bolzplatz verbracht haben, saß ich im Keller meiner Eltern und habe gemalt.

Und wie kommt man dann an so ein Stipendium ran und was macht das aus?

  • Es gibt Stipendien, bei denen man sich bewerben muss und es gibt welche, da kommen die Leute einfach auf einen zu. Ich wurde fürs Bremerhaven-Stipendium an einem Mittwochmorgen um 8 Uhr angerufen. Die Verantwortlichen hatten meine Arbeiten auf einer Messe gesehen und wollten mich dann haben. Ich habe hier eine Wohnung und mein Atelier. Allgemein sind Stipendien wie Zeitverträge. Man weiß halt nie, was kommt.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Kunstwerke?

  • Es gibt nicht die eine Sache. Themenbereiche meiner Arbeit sind Malerei, Architektur und Skulptur. Ich mache Arbeiten in Kombination mit Foto-Fundstücken. Ich war in Ghana, Brüssel... und bald geht‘s in die USA. Die Inspiration kommt beim Flanieren. Spuren, abblätternde Farben, Pinselstriche, ‘ne komische Nische – das fesselt mich. Das versuche ich dann, in den Innenraum zu übertragen. Für mich besteht die Kunst darin, Malerei an Stellen aufzuzeigen, wo sie normalerweise nicht stattfindet, und das dann auf ein manuelles Maß runterzubrechen. Manchmal ist es wie eine kindliche Freude, Sachen zu entdecken und das versuche ich, mir zu bewahren.

Ein prägender Moment in deiner Karriere?

  • Meine Tochter, mein Vater und ich waren mal im Atelier, sie war damals sechs Jahre alt. Mein Vater hobelte etwas, meine Tochter guckte zu und bastelte aus den Holzresten etwas. Das zeigte sie dann ihrem Opa und der fragte: „Und, was ist das geworden?“ Sie schaute ihn an, verdrehte die Augen uns sagte: „Opa, das ist Kunst, das muss nichts sein!“ Das fand ich so geil, dass sie mit sechs Jahren so einen derben Spruch rausgehauen hat, der einfach alles aussagt: „Das ist Kunst, das muss nichts sein!“ Es entsteht aus einem freiheitlichen, unnützen Impuls heraus und ist an keine Bedingungen geknüpft. Man muss nicht drauf sitzen können, man muss nicht was drauf erkennen, sondern es ist wie aus einem Vakuum heraus entstanden. Es ist höchstens an Bedingungen geknüpft, die man sich selbst setzt. 
Die maximale Freiheit ist, dass ich machen kann, was ich möchte. Ich kann selber entscheiden, was die nächste Arbeit wird. Und wenn ich morgen nackt durch die Stadt laufe, kann ich es immer noch labeln als das, was es ist, nämlich Kunst, weil ich Künstler bin und das ist großartig!

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