Reges Treiben auf der kopfsteingepflasterten Straße: Fußgänger, Fahrradfahrer und ein paar Autos sind in dem verkehrsberuhigten Bereich unterwegs. Wunderschöne Verzierungen und moderne Kunstwerke schmücken die Hausfassaden. Das Grün am Straßenrand blüht. Das Goethequartier gilt als eines der ärmsten Viertel Deutschlands, dabei hat es augenscheinlich so viel zu bieten. Vielleicht entstand gerade deswegen hier Bremerhavens erstes Coworking-Space. Und aus einem fast unbewohnbaren Haus wurde Lebensraum für kreative Köpfe – plus die Räume im Erdgeschoss, das Zuhause des Ateliers Goethe45. Ist das Goetheviertel für Bremerhaven jetzt das, was Neukölln für Berlin ist? Auf in den Szenecheck!

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Coworking im Goethe Camp

Im Juli 2018 öffnete der erste Coworking-Space Bremerhavens: das Goethe Camp. Mitten in Bremerhaven-Lehe ist ein Spot entstanden, der Gründern, Kreativen, Freelancern, Querdenkern, Veränderern, Studierenden, Alteingesessenen und Zugezogenen einen Platz zum Arbeiten bietet. Aber was genau macht den Coworking-Space im Goethe-Viertel eigentlich aus? Mitgründerin Lea Zerbst (26) hat's uns verraten.

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Was ist das Goethe Camp?

  • Lea: Das Goethe Camp ist eine Initiative von privaten Unternehmern aus Bremerhaven. Es ist ein Ort für neue Arbeit, für Gründer, für Menschen, die sonst im Homeoffice arbeiten, aber auch mal aus den eigenen vier Wänden raus wollen. Also, dieses ganze Thema „New Work“ findet hier einen Platz. Es ist ein Ort, an dem man flexibel arbeiten kann. Man kann sich tage- oder monatsweise einmieten. Die nötige Infrastruktur ist da: WLAN, 'ne Kaffeemaschine… Jeder bekommt einen individuellen Zugangscode und kann die Räume nutzen.

Wieso in der Goethestrasse? Welches Potenzial hat das Goetheviertel?

Wir haben gemerkt, dass im Goethequartier ganz viel passiert: Sanierungen, coole Projekte... Wir haben uns ganz bewusst für diesen Standort entschieden. Die meisten von uns kommen aus Bremerhaven und sind hier verwurzelt. Wir fanden es einfach schade, dass dieses Viertel so einen schlechten Ruf hat. Wenn man hier ist, sich auf die Straße stellt und sich einfach mal umschaut, dann ist es so schön. Das Goethequartier ist das Gründerzeitviertel Bremerhavens. Es gibt in ganz Deutschland kaum noch so gut erhaltene Altbauviertel – eine total schöne Atmosphäre herrscht hier. Das steht auch für Bremerhaven. Bremerhaven ist nicht nur Meer und Wasser, sondern auch das hier ist eine Facette Bremerhavens.

Wir wollen den Leuten und Unternehmern einen Grund geben, wieder ins Goetheviertel zu kommen. Um zu zeigen, dass sich was tut. Es ist kein Standort, wo man nachts nicht rausgehen kann. Es ist ein Ort wie jeder andere in Bremerhaven auch. Natürlich darf man es nicht nur schönreden. Es ist ein armes Viertel, aber die findet man an allen Ecken Deutschlands. Ich bin sehr dafür zu sagen, man braucht eine Durchmischung. Wir wollen niemanden verdrängen, wir wollen nicht die Preise in die Höhe treiben. Wir wollen eine Vermischung, um Toleranz und Akzeptanz zu schaffen.

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Die Galerie Goethe45

Anne Schmeckies (forever young) öffnet die Tür. Ihr orangenes Haar schimmert im Tageslicht, ihr afrikanisches Tunikakleid strahlt Internationalität aus. Beiger Mantel, riesen Sonnenbrille – wow, die Frau hat Style! Wir nehmen in einem Raum in der Galerie Platz – auf Stühlen, dessen Sitzflächen aus alten Fahrradreifen bestehen. „Die hat Sofia Schneider, eine der Designerinnen aus dem Atelier des Hauses designt. Toll, oder?“ Ja! An den Wänden hängen Fotografien aus der Hip-Hop-Szene in Philadelphia – das ist Sven Willms Ausstellung „In your Amerika“. „Hip-Hop gehört zu meinem Leben“, erzählt Schmeckies. Worte wie „cool“, B-Boy“, „DJing“, „MCing“, „Sprayer“ und so weiter fallen im Gespräch des Öfteren und nie wirkte es authentischer.

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Was ist das Goethe45? Welche Kunst findet in der Galerie Platz?

Anne Schmeckies: Das Goethequartier ist ein Ortsteil Bremerhaven-Lehes und die Goethestraße ist ganz zentral im Viertel. Es ist ein Segen mit Goethe in Verbindung zu stehen. Die Ausstellungen, die ich hier kuratiere, haben als Alleinstellungsmerkmal internationale Bezüge durch Graffiti auf Leinwand oder Outdoor in der Open-Air Gallery.
Hip-Hop ist als Gesamtkunstwerk schon immer weltweit vernetzt gewesen... Die alte Idee der französischen Revolution: Sisterhood and Brotherhood. Im Hip-Hop geht es nicht nur um den Sprechgesang. Da gehören die verschiedenen Elemente wie Breakdance, Graffiti, DJing, MCing – das Bewusstsein, dass wir kosmopolitisch alle verbunden sind, dazu.
Bremerhaven war ein starker Standort für Hip-Hop als dieser in den 90ern aus Amerika hierher schwappte. In der Underground-Hip-Hop-Szene ist es auch so, dass Kuratorinnen selbt eine gewisse Street Credebility brauchen, um Ausstellungen organisieren zu können.

Was ist das Goetheviertel für dich?

Für mich ist es wichtig, dass man den Stadtteil, in dem man lebt, zu schätzen weiß. Und Werte, die bestehen. Zum Beispiel Teilen, man unterstützt sich hier  gegenseitig, wenn jemand in Not ist. Ich wurde vom ersten Tag an auf der Straße gegrüßt – das ist auch nicht mehr selbstverständlich. Die Anonymität ist nicht so hoch. Es bedeutet für mich, dass sich die Community in einem Stadtteil oder in der Hood, wünscht, nicht mehr woanders zu wohnen, weil es hier Werte gibt, die es woanders nicht gibt. Und dass man unterstützt, was hier läuft. Und sagt:


JA, ICH KOMME AUS BREMERHAVEN-LEHE. ICH WOHNE IM GOETHEQUARTIER.

Absolut, das Goetheviertel entwickelt sich zu einem echten Szeneviertel. Künstler, Querdenkende aber auch Normalos finden hier einen Platz und können der Auffassung von trüber Armut etwas entgegensetzen. Denn hier, in einem der angeblich ärmsten Viertel Deutschlands, entstehen große Dinge. Hier leben und arbeiten Vordenker und jeder kann Teil davon sein.

Empfindest du auch eine Aufbruch-Stimmung!

Goethe Camp Coworking Space
Kern-Öffnungszeiten: Mo - Do von 9 bis 17 Uhr
Goethestraße 50a, Bremerhaven

Goethe 45
Di & Do, Sa & So von 16 bis 18 Uhr
Goethestraße 45, Bremerhaven

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